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Soayschafe - Kulturerbe der Steinzeit

Der Abgeschiedenheit und Unzugänglichkeit der Insel Soay sowie des gesamten St. Kilda-Archipels in geschichtlicher Zeit verdanken wir den Erhalt des Soay-Schafes als Vertreter des frühesten Typs domestizierter Schafe und darüber hinaus als wohl ältesten erhaltenen Nutztiertypus überhaupt. Von frühen Siedlern dorthin verbracht und später zurückgelassen, verwilderten die Tiere und bewahrten so, von menschlicher Einflussnahme abgeschnitten, ihren primitiven Entwicklungszustand während andernorts Tiere dieses Typs in Beständen entwickelterer Typen - später Rassen - aufgingen oder von solchen verdrängt wurden. Aus dem ursprünglichen Bestand auf Soay wurde eine etwas mehr als hundertköpfige, in Geschlechter- und Altersstruktur wohlausgewogene Gruppe auf Betreiben des damaligen Landeigners, des Marquis of Bute auf die Nachbarinsel Hirta verbracht nachdem diese 1930 von den letzten menschlichen Bewohnern verlassen worden war. Die Soay-Schafe gediehen und begründeten eine stabile zweite Population.

Die Soayschafe von St. Kilda sind die primitivste domestizierte Schafrasse in Europa. Sie bewahren noch weitgehend den Typus ihrer wilden Vorfahren und gleichen in ihrem Erscheinungsbild ganz jenen domestizierten neolithischen Schafen, die um 5000 v.u.Z. erstmals nach Großbritannien gebracht wurden und auf dem dortigen Festland sich stellenweise bis ins Mittelalter halten konnten.

Die Schafe auf Soay dürften Abkömmlinge von Tieren sein, die bereits in vorgeschichtlicher Zeit auf die Inseln eingeführt wurden, wenngleich nicht ganz ausgeschlossen werden kann, dass sie zur Zeit der nordischen Herrschaft im 9. und 10. Jahrhundert von Wikingern dort angesiedelt wurden.

Im Unterschied zu entwickelten Rassen erscheinen die Soayschafe klein und schmalkörperig mit auffallend langen Beinen, kurzen Schwänzen und schmalen Gesichtern. Ihr Fell besteht zwar überwiegend aus Wolle, doch weisen sie in ihrem Aussehen starke Wildschafcharakteristik auf.

An dieser Stelle sei schon einmal kurz vermerkt, dass die Soayschafe den zu erwartenden Chromosomensatz von 2n=54 aufweisen.(Mufflon)

Diese Tiere sind durch glückliche Umstände in unsere Zeit hinübergerettete Zeugnisse des Neolithikums, von großer genetischer Bedeutung und von größtem Interesse für die Erforschung ökologischer Zusammenhänge wegen ihres Überlebens in einem eng begrenzten Ökosystem kleiner Inseln ohne Jäger und Nahrungskonkurrenten.

Lediglich kranke, erheblich geschwächte Tiere und mitunter schwache Weibchen und teilweise geborene Lämmer werden gelegentlich durch Kolkraben (Corvus corax), Mantelmöwen (Larus marinus), Nebelkrähen (Corvus corone cornix) oder Heringsmöwen (Larus fuscus) angegriffen. Ansonsten nehmen sich diese als Aasfresser der im Feld liegenden Kadaver von Schafen an. In Zeiten gesteigerter Mortalität treten sie entsprechend zahlreich auf.

Die weit umherschweifenden Möwen sind auch als potentielle Parasitenverbreiter zu sehen.

Stare (Sturnus vulgaris) dagegen setzen sich sogar zur Suche nach Läusen und sonstigen Außenparasiten auf die Tiere.

Als Außenparasiten treten Flöhe (Melophagus ovinus) und Läuse (Bovicula ovis) auf. Die Schafzecke (Ixodes ricinus) fehlt auf St. Kilda und erstaunlicherweise werden Soayschafe außerhalb St. Kildas selbst in gemischten Beständen weniger von Schafzecken befallen als die mit ihnen zusammenlebenden Schafe anderer Rassen. Vielleicht wirken hier Abwehrstrategien des Organismus, wie sie z.B. für Rehwild festgestellt worden sind.

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